Black Hammer: Sherlock Frankenstein & die Legion des Teufels

Black Hammer gehört zu den besten Reihen, die man momentan lesen kann. Eine Gruppe von Helden, die nach ihrem härtesten Kampf plötzlich in einer Kleinstadt gelandet ist und weder weiß wie sie dort gelandet sind, noch wie sie entkommen können, klingt zwar erstmal nicht super innovativ aber die Umsetzung ist großartig. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Figuren und ihre Persönlichkeiten. Obwohl es sich auf den ersten Blick um einen Superhelden Comic handelt, steht hier ganz klar das Zwischenmenschliche im Mittelpunkt und nicht die reine Action. Getragen wird das Ganze von den verschiedenen Mysterien und Geheimnissen, die die Figuren umgeben.

Bei Sherlock Frankenstein & die Legion des Teufels steht nun aber nicht die eigentliche Gruppe von Protagonisten im Mittelpunkt, sondern es geht um die Welt, die sie zurückgelassen haben. Es ist ein Spin-off, dass das eigentliche Black Hammer Universum erweitern und bereichern möchte.

Eckdaten:

© Splitter-Verlag
© Splitter-Verlag

Autor: Jeff Lemire
Zeichner: David Rubin
Preis: 19,80€
Seiten: 152
Format: Hardcover
Verlag: Splitter-Verlag

Story:

In diesem Band geht es um Lucy, die Tochter der namensgebenden Helden Black Hammer. Diese will sich nicht mit dem Verschwinden ihres Vaters abfinden und macht sich auf die Suche nach dem mächtigsten und gerissensten Widersacher, den die Helden je hatten. Sherlock Frankenstein. Da das böse Genie sich aber auch seit Jahren nicht mehr blicken ließ und seine Adresse nicht im Telefonbuch steht, macht Lucy sich auf die Suche nach anderen Schurken von damals. Sie hofft zu erfahren, wie sie den ehemaligen Erzfeind ihres Vaters finden kann.

Meine Meinung

Jeff Lemire ist einer der besten Autoren, die ich kenne. Mit den ersten beiden Black Hammer Bänden hat er ein Setting aufgebaut, das besonders von seinen Geheimnissen und seinen Charakteren lebt. Er hat sich viel Zeit genommen um die Figuren zu etablieren, zu zeigen was sie antreibt, und welche Abgründe in ihnen lauern. All das fällt nun in dem Spin-off weg. Das Geheimnis um das Verschwinden der Helden ist zwar auch hier der rote Faden, die Figuren selbst tauchen aber nicht, bzw. nur in Rückblenden auf.

Es geht um Lucy und um die Schurken des Black Hammer Universums. Was sich Jeff Lemire hier an Antagonisten ausgedacht hat ist einfach ganz große Klasse. Die Helden hat er alle sehr offensichtlich an bekannte Comichelden angelehnt, bei den Schurken sieht das Ganze anders aus. Zumindest mir sind auf den ersten Blick keine direkten Vorlagen aufgefallen. Besonders einen fand ich besonders originell.

Cthu-lou ist auch ein schönes Beispiel dafür, was diese Welt und ihre Geschichten so großartig macht. Der Leser bekommt zwar einen Einblick in seine Origin, aber ansonsten erlebt man nur einen Ausschnitt aus seiner aktuellen Situation. Es fühlt sich an, als hätte er seine eigene Reihe bzw. sein eigenes Leben, in dem er eine Vergangenheit und Probleme, vor allem aber eine Zukunft hat. Auch wenn der man als Leser diese (wahrscheinlich) nie erfahren wird.

Generell werden die Figuren hier etabliert, als wären sie seit Ewigkeiten bekannt. Als hätte man einen Comic in der Hand, dessen Figuren seit Jahrzehnten etabliert sind. Es gibt eine kleine Einführung wer der Charakter ist, seine Origin wird einmal ganz grob angerissen und es gibt Anspielungen auf frühere Ereignisse. Immer wieder hatte ich den Wunsch mir alte Black Hammer Comics kaufen zu können, um noch mehr über die Figuren zu erfahren.

Die Geschichte rund um Lucys Suche nach Sherlock Frankenstein ist rund um sehr unterhaltsam. Es gibt zwar wenig Action, aber neben den tollen Figuren können besonders die Dialoge und die Twists überzeugen. Außerdem fühlt dieser Band sich ein bisschen “leichter” an, als die eigentliche Serie. Auch wenn ich nicht genau fassen kann woran das liegt.

Vielleicht sind es die großartigen Zeichnungen und die Farbwahl. Die Schauplätze sind meist zwar eher düster und schäbig aber die Farben sind immer wieder sehr knallig und überraschend kräftig. Dadurch entsteht ein interessanter Kontrast, der den Band auch optisch zu einem Highlight macht. Es gibt immer wieder großartige Doppelseiten und auch der Aufbau der Panels ist hier deutlich verspielter als in den anderen beiden Bänden.

Leseprobe

Was die Einsteigerfreundlichkeit angeht bin ich wirklich unschlüssig. Da in den ersten beiden Bänden auch noch viele Fragen offen sind, muss man eigentlich nicht viel aus ihnen wissen. Es ist sogar so, dass im zweiten Band bereits etwas veraten wurde, was für diesen ein ziemlicher Spoiler war. Ich würde folgende Lesereihenfolge empfehlen:

  1. Black Hammer 1: Vergessene Helden
  2. Black Hammer: Sherlock Frankenstein & die Legion des Teufels
  3. Black Hammer 2: Das Ereignis

Fazit:

Durch Black Hammer: Sherlock Frankenstein & die Legion des Teufels wird das Black Hammer Universum um ein gutes Stück bereichert. Jeff Lemire hat in den ersten Bänden ein interessantes Szenario geschaffen, das mit diesem Band zu einer Welt wurde. Es fühlt sich nun noch viel mehr an, wie ein richtiges Comicuniversum, das seit Jahren besteht. Als wäre die aktuelle Reihe nur ein Großevent, von dem die bekanntesten Helden des Universums betroffen sind. Falls ihr die ersten beiden Bände, oder bisher nur den Ersten, mochtet und unsicher seid, ob ihr hier zuschlagen könnt/sollt, kann ich ihn euch nur empfehlen. Es ist zwar “nur” ein Spin-off, aber es ist sehr eng mit der Hauptgeschichte verwoben.

Wertung:

Einsteigerfreundlichkeit: 6/10
Story: 8/10
Zeichnungen: 9/10

 

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