Infidel
Comics Neueinsteiger

Infidel

Der von mir sehr geschätzte Jeff Lemire hat gesagt, dass 2 Dinge in Comics extrem schwer darstellbar sind. Horror und Politik. Horror vor allem deshalb, weil die Musik fehlt, um eine gruselige Atmosphäre zu erschaffen. Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich Horror in Comic so viel angenehmer und besser finde als Filme und Serien. Bei dem politischen Teil muss ich widersprechen. Ich finde nicht, dass es die Pflicht von jedem Comic ist politische Nachrichten zu vermitteln, dennoch finde ich es immer angenehm, wenn Comics Farbe bekennen und im Idealfall ohne zu sehr zu predigen einen Standpunkt vermitteln. Infidel ist nun eine Kombination genau der zwei Dinge, die laut Lemire extrem schwierig sind. Ob der Comic es dennoch schafft seine Botschaft zu vermitteln und dabei gruselig und nicht zu predigend zu sein, lest ihr jetzt.

Infidel

Infidel
Story: Pornsak Pichetshote | Zeichnungen: Aaron Campbell | 24 € | Splitter-Verlag

Aisha lebt zusammen mit ihrem freund Tom und dessen Tochter bei Toms Mutter. Nicht etwa, weil sie in finanziellen Schwierigkeiten sind, und erst recht nicht, weil Tom seine Mutter so sehr liebt. Vielmehr kam es vor einiger Zeit in dem Haus zu einem sehr heftigen Mord, der das ganze Haus (buchstäblich) erschüttert hat. Nun wollen die beiden Toms Mutter ungern alleine in dem Mordhaus wohnen lassen. Das Problem ist, dass Aisha Muslima ist, und Toms Mutter damit in der Vergangenheit ein großes Problem hatte. Während Aisha mit diesem Thema bereits mehr oder weniger abgeschlossen hat, ist Tom sicher, dass seine Mutter sich kein Stück verändert hat und möchte am liebsten wieder ausziehen.

Aisha schläft seit einiger Zeit nicht gut. Immer wieder hat sie Albträume, in denen eine ekelhaft verformte Version eines Menschen ihr nach dem Leben trachtet. Diese Träume werden zunehmend realistischer, bis sie dieses Wesen schließlich auch tagsüber sieht. Was hat es mit dem Mord in dem Haus auf sich? Bildet Aisha sich das alles nur ein, oder können andere dieses Monster auch sehen? Warum will ein Nachbar nicht raus kommen und guckt den ganzen Tag nur panisch durch seinen Türspion?

Fazit

Infidel
©Splitter-Verlag

Infidel hat eine wahnsinnig packende Story. Pornsak Pichetshote schreibt großartige Figuren und tolle Dialoge, die sich einfach echt und kein bisschen hölzern anfühlen. Das ist vor allem deshalb beeindruckend, weil es eben sehr viel um Rassismus und Vorurteile geht. Das hätte sehr schnell plakativ und gestellt werden können, ist es aber nicht. Die Figuren sind alle sehr schön ausgearbeitet und ich habe in vielen Teile von Freunden und Bekannten wiedererkannt. Eine Sache hat mich jedoch ein wenig gestört. Heilige Scheiße ist der Comic gruselig. Ich bin ohnehin schon kein Freund von Geisterhaus Horror, aber das hier war echt heftig für ein Horror-Weichei wie mich. Es mag ja schwer sein, ohne Musik Atmosphäre zu erzeugen, aber Pornsak Pichetshote schafft es mit den grandiosen Zeichnungen von Aaron Campbell eine Stimmung zu erzeugen, die ich so noch in keinem Horror-Comic erlebt habe. Ich habe den Comic vor dieser Rezension noch einmal gelesen, in der Hoffnung ich könnte ausmachen, wie genau die beiden das machen, jedoch ist es mir nicht gelungen.

Eine große Empfehlung für jeden der gerne erwachsene Horror Geschichten mag. Geschichten in denen es nicht um einen Haufen Idioten geht, die sich selbst in dumme Situationen bringen. Außerdem eine große Empfehlung, an alle die Geschichten mögen, die sich mit Rassismus befassen, ohne einem die ganze Zeit mit dem gehobenen Zeigefinger ins Gesicht zu pieksen.

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