Little Bird
Comics Neueinsteiger

Little Bird 1: DER KAMPF UM ELDERS HOPE

Ich liebe Superhelden-Comics. Ja es ist manchmal etwas redundant, und ernsthafte Folgen gibt es selten bis nie. Trotzdem macht es mir immer wieder Spaß. Aber Comics können mehr als einfach nur Spaß machen. Manche Comics gehen sogar so weit, dass ich sagen würde, sie nutzen das Medium so gut, dass sie anderen Medien wie Film oder Buch überlegen sind. Und dann gibt es Comics, die einfach Kunst sind. Little Bird ist einer davon.

Nichts ist leichter, als eine negative Rezension zu schreiben. In der Regel habe ich dann eine ganze Liste von Punkten die mir missfallen haben und ich muss diese nur abarbeiten. Viel schwerer sind Rezensionen über sehr gute oder sogar meisterhafte Comics. Ich möchte die Faszination vermitteln, ohne zu viel zu verraten. Irgendwie in Worte verpacken, was genau das Lesen dieses Comics mit mir gemacht hat, ohne falsche Erwartungen beim Leser zu wecken. Als Faustregel kann ich fast sagen, um so besser der Comic, um so schwerer fällt mir die Rezension. Keine Rezension fiel mir bisher so schwer wie die von Litte Bird. Was allerdings auch daran liegt, dass der Comic ganz anders ist, als alles was ich bisher gelesen habe.

Little Bird

Little Bird
Story: Darcy van Poelgeest | Zeichnungen: Ian Bertram, Matt Hollingsworth | 35 € | Cross Cult

Eine Nation, die vermutlich die USA ist, ist komplett in der Hand der Kirche. Weil diese sich ja aber selten mit dem zufrieden gibt, was sie hat, möchte sie unbedingt Kanada auch noch konvertieren. Notfalls bringen sie dafür alle um. Little Bird lebt mit ihrer Mutter in einem der freien Stämme, die sich der Kirche widersetzen und frei leben wollen. Vor einem Angriff der Kirche wird Little Bird von ihrer Mutter in einen Bunker gebracht, zusammen mit dem Plan, der die Kirche stürzen und die Welt retten soll. Zumindest mit dem ersten Schritt dieses Plans.

Nachdem das ganze Dorf brutal ermordet wurde macht sich Little Bird also auf den Weg “Die Axt” zu finden. Das ist nicht etwa eine magische Waffe, sondern ein sehr großer, mürrischer Kanadier, der quasi unsterblich zu sein scheint und einige gute Gründe hat die Kirche zu hassen. So beginnt eine Reise durch eine düstere abgedrehte Welt, voll spannender Charaktere, Wendungen und einem Artstyle, der sich sehen lassen kann.

Spannende Welt

Little Bird
©Cross-Cult

Die Welt in der Little Bird spielt ist ein völlig andere als unsere. Das wird beim Lesen schnell klar. Auch wenn man einiges über die Welt in Dialogen aufschnappt, fühlte es sich dabei nie so an, als würde das grade nur für den Leser gesagt werden. Auch über die Bilder selbst bekommt man ein immer besseres Gefühl für diese surreale künstlerische und brutale Welt.

Ähnlich ist es mit den Figuren. Es kommt quasi keine Figur vor, die uninteressant ist. Die meisten sind weit weg davon sympathisch zu sein, aber langweilig sind die definitiv nicht. Auch wenn man anfangs oft denkt, man könne einschätzen, was man hier präsentiert bekommt, wird man nicht selten eines besseren belehrt. Freund, Feind, Familie, das sind alles Kategorien, die keineswegs endgültig sind, oder vorhersehbar machen, wie jemand agieren wird.

Schön und blutig

Little Bird
©Cross-Cult

Während Figuren und Welt mich schnell fasziniert hatten, brauchte der Zeichenstil dafür einen Moment länger. Ian Bertram hat einen sehr eigene Stil, der neben einen hohen Wiedererkennungswert etwas sehr unruhiges hat. Überall sind Details, Linien und Punkte. Cleane glatte Flächen, die ich bei Zeichnungen eigentlich sehr schätze, gibt es bei ihm im Grunde nicht. Innerhalb kürzester Zeit konnte ich diese Zeichnungen aber nicht nur akzeptieren, sondern habe sie regelrecht lieben gelernt. Die Panel sind so voll von Details und Feinheiten, dass ich immer wieder gerne innegehalten habe um mir die Seiten genauer an zu gucken. Das liegt aber auch daran, dass Matt Hollingsworth hier mit den Farben einen fantastischen Job macht.

Das merkt man vor allem in den zahlreichen richtig brutalen Momenten. die sehen nämlich richtig schön saftig aus. Das hier ist definitiv kein Comic für Kinder oder zart besaitete Menschen. Es spritzt Blut, es fliegen Innereien und es gibt viele Momente, die nicht nur brutal, sondern regelrecht grausam sind. Kinder verbrennen Eltern, Eltern verbrennen Kinder. Menschen schmelzen und werden in zwei oder mehr Teile zerrissen.

Fazit

Little Bird
©Cross-Cult

Die Mischung aus den tollen Figuren mit der faszinierenden düsteren, aber auch irgendwie schönen Welt und der unglaublichen Optik, ist der Rahmen für eine Geschichte, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Die kleine Little Bird geht einen harten Weg voller Leid und Blut. Erzählt wird das ganze in einem Tempo und mit einer Intensität, die es schwer, ja fast unmöglich machten, den Band aus der Hand zu legen. Ich musste das Lesen leider 2 Mal unterbrechen, ansonsten hätte ich diesen dicken Band wohl in einem Rutsch verschlungen.

Little Bird ist brutal, kompromisslos, originell und hat eine einmalige Optik. Für mich die Überraschung des Jahres und vielleicht der beste Comic, den ich dieses Jahr gelesen habe. Ich würde ihn jedem empfehlen, der sich von der Optik nicht abschrecken lässt, und der kein Problem mit viel Blut und Gewalt hat.

Zweite Meinung?

Wenn euch das noch nicht ganz überzeugt hat, guckt mal bei Letterheart vorbei.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.