Gaming

Sekiro: Shadows Die Twice

Ich bin ein riesen Fan der Souls Games. Ich habe wahrscheinlich kein Spiel so viel gespielt wie Dark Souls. Zuerst hatte ich es mir am Erscheinungsdatum für die XBox360 gekauft und ewig lange gespielt. Als ich die Xbox verkauft und eine PS3 gekauft hatte, war Dark Souls das erste Game, was ich dafür gekauft hatte und es blieb mit Abstand mein meist gespieltes. Und weil das noch lange nicht genug ist, habe ich mich wie ein Kind auf die remasterte PS4 Version gefreut und habe sie dann inklusive Hardcover Komplettlösung gekauft.

Bei Bloodborne war ich skeptisch. Das Setting hat mir nicht gefallen, und das Fehlen eines Schildes hat mich doch sehr gestört. Auch wenn ich das Setting bis heute nicht besonders mag, hat die Spielmechanik doch überzeugt und ich habe wieder hunderte Stunden in diesem Spiel verbracht. Dennoch waren Dark Souls 1, 2 und 3 mir immer lieber.

Sekiro

“Ein Souls Game im feudalen Japan Setting? Das wird der Hammer!” Das war in etwa mein Gedanke als Sekiro angekündigt wurde. Schnellere Kämpfe, agileres Kampfsystem, die Möglichkeit sich mit einem Enterhaken dreidimensional durch die Level zu bewegen. Zu schön um Wahr zu sein. Doch dann kamen andere Meldungen.

Ein fester Charakter

Auch wenn ich ein riesen Fan von Charaktereditoren bin, hat mich das Fehlen in Sekiro nich in geringsten gestört. Sein wir ehrlich, man trägt innerhalb kürzester Zeit eh einen Helm, oder eine Kapuze oder ähnliches und sieht die Figur nur noch sporadisch.

Keine Rüstung

Das war dann schon eher ein Problem für mich. Bei Bloodboorne waren bereits keine Rüstungen mehr vorhanden, aber zumindest gab es unterschiedliche Outfits mit unterschiedlichen Werten. Komplett auf diesen Bereich zu verzichten schien mir fragwürdig, hat mich im eigentlichen Spiel dann allerdings überhaupt nicht mehr gestört.

Keine Waffenvielfallt

Während man in Dark Souls eine Unmenge Waffen finden konnte, war Bloodborne diesbezüglich schon sehr überschaubar. Ähnlich wie beim Outfit wurde auch hier komplett reduziert. Ein Mann, ein Schwert. Man findet zwar noch eine andere Waffe, aber frei zu Verfügung steht die auch nicht. Eine Waffe, ohne steigende Werte oder ähnliches.

Stark reduzierte Chatrakterentwicklung

Dazu kommt, dass komplett darauf verzichtet wurde, den Charakter individuell zu steigern. Keine Punkte in Stärke stecken, kein steigern der Ausdauer oder ähnliches. Es gibt zwar die Möglichkeit den Charakter zu verbessern, allerdings geschieht das hier durch das Besiegen von Bossen und das Erlernen von Kampffertigkeiten. Außerdem sind Items in der Welt verteilt, die nicht nur die Anzahl der Heilitems erhöhen, sondern auch den Charakter an sich verbessern. Diese müssen allerdings gefunden werden.

Der Arm

Unser Hauptcharakter hat eine Armprothese, die unter anderem über einen Enterhaken verfügt, mit dem wir uns schnell und auf mehreren Ebenen durch die Welt bewegen können. Allerdings findet man für diesen Arm auch immer wieder neue Module, wie Flammenwerfer, Wurfsterne oder ähnliches. Diese Module können ausgebaut und verbessert werden. Dadurch kann Sekiro unserem eigenen Spielstil vielleicht am besten angepasst werden.

Kontern

Alles steht oder fällt aber mit dem Meistern der Kontermechanik. Dark Souls und Bloodborne hatten bereits diese sehr mächtige Mechanik, die ich und viele andere allerdings beinahe völlig ignoriert haben. Das Ganze war zwar sehr stark, aber das Zeitfenster war sehr klein und das Timing zu lernen war vergleichsweise schwierig. Dazu kam, dass es einfach nicht nötig war, da man auch so gut durchs Spiel gekommen ist. Bei Sekiro sieht das Ganze aber anders aus. Wer den Konter nicht beherrscht, wird dieses Spiel nicht schaffen. Gegner haben zwar eine Lebensanzeige, aber viel wichtiger ist ihre Haltung. Diese lässt sich durch eine Mischung auf gut getimten Blocks und Angriffen schnell reduzieren und dann einen Todesstoß ansetzen, lange bevor die Lebensenergie auch nur ansatzweise leer ist. Das funktioniert bei kleinen Gegner, und bei Bossen. Bosse brauchen allerdings mindestens 2 Todesstöße und wechseln nach diesen gerne die Phase.

Ein wunderschönes Settinng

Kampfsystem und Charakterentwicklung mögen ungewohnt sein, und nich jedem gefallen, aber die Welt die hier gebaut wurde ist einfach umwerfend. Die Areale unterscheiden sich sehr, sind aber beinahe alle echt Hingucker. Die Gegnervielfalt ist enorm und auch wenn viele davon menschlich sind, so haben sie doch alle andere Angriffsmuster und Schwächen, die man lernen muss, um halbwegs eine Chance gegen sie zu haben.

Auswendiglernen

Das ist auch schon der größte Kritikpunkt, den ich an dem Spiel habe. Es ist im Grunde ein einziges Auswendiglernen. Man trifft neue Gegner, also muss man erstmal gucken, was sie für Angriffe machen, wie sich diese andeuten, wann man kontern, wann angreifen und wann lieber ausweichen sollte. Das gilt auch für die Bosse. In der Regel war ich jedem Boss erstmal hilflos unterlegen, bis ich oft genug gegen ihn gekämpft hatte um seine Muster zu erkennen. Bei manchen Bossen ist das leichter, bei manchen schwerer, aber jeder Kampf ist genau so. Ich hatte selten das Gefühl der Souls Games, bei denen ich auch mal einen Boss direkt besiegen konnte, einfach weil der Skill als Spieler den Mangel an Erfahrung mit diesem Gegner ausgleichen konnte.

Besonders ein Boss, dem man schon früh im Spiel begegnen kann, war eine echt Zerreißprobe. Nachdem ich mehrere Tage gegen ihn gekämpft habe, habe ich das Spiel für mehrer Wochen weg gelegt, nur um dies noch einige Male zu wiederholen. Nochmal versuchen, immer wieder sterben, ohne auch nur die erste Phase zu schaffen, Spiel wieder weg legen, wochenlang warten und nochmal. Ich hörte, dass viele andere Spieler an diesem Punkt ausgestiegen sind und ich kann es ihnen nicht verdenken.

Schafft man es aber ihn endlich zu besiegen, stellt sich ein Verständnis für das Kampfsystem ein, das alles weitere deutlich erleichtert. Die Kämpfe werden “schön” es klingt kitschig, aber es wir mehr zu einem Tanz aus Kontern, Angriffen und Ausweichschritten, und ganz plötzlich sind Gegner, die vorher den beinahe sicheren Tod bedeuteten, nicht mehr schwer. Nie ist es mir so schwer gefallen, ein Spiel zu lernen, und nie hat sich das Lernen so gelohnt wie hier. Man kann sich ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr durchmogeln, entweder man lernt die Mechanik, oder man wird das Spiel in die Ecke werfen und verteufeln.

Fazit

Ein Spiel, das mit nichts zu vergleichen ist, was ich bisher gespielt habe. Natürlich sind Elemente der Souls Games vorhanden, aber es schadet eher als es nützt, wenn man die Souls Games gespielt hat. Sekiro ist etwas Eigenes und Neues und ich bin wirklich froh, dass ich mich da durchgebissen habe. Auch wenn es anfangs noch nicht danach aussah, hat Sekiro jeden Preis verdient den es gewonnen hat. Auch wenn die Geschichte belanglos und der Hauptcharakter gesichtslos ist. Die Stärken überwiegen bei weitem.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.