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X-Men: House of X & Powers of X 1 bis 4

Die X-Men sind ein wichtiger Teil von Marvel’s Universum. Inzwischen habe ich einige Versuche gestartet, mich in die Welt der Mutanten zu stürzen, allerdings mit wenig Erfolg. Oft war der erste Band einer Reihe ganz gut, aber spätestens beim Zweiten war ich dann doch wieder raus. Zu viele Namen, zu viele Figuren, zuviel Soap Opera und zuviel Altlasten. Bereits vor Monaten habe ich die größten X-Men Fans, die ich kenne, gefragt, womit der Einstieg endlich klappen könnte. Die englischen Leser hatten darauf eine einheitliche Antwort. House of X & Powers of X. Ein Neuanfang des X-Men Universums, das den Status Quo radikal ändert, unterhaltsam und einsteigerfreundlich sein sollte, also genau das was ich gesucht habe.

Eines vorweg: Wenn ich gleich auf die Handlung dieses Comics eingehe, könnte das ein massiver Spoiler für die Leser der Vorgänger sein. Wenn ihr also noch auf dem Weg zu House of X & Powers of X seid und nur eben sehen wollt, worum es geht, dann lest vielleicht doch erstmal soweit fertig.

Eine neue Zukunft für die X-Men

House of X & Powers of X
Story: Jonathan Hickman | Zeichnungen: Pepe Larraz, R.B.Silva | Band 1: 10,99€ | Band 2: 13,99€ | Band 3: 15,99€ | Band 4: 14€ |Panini-Comics

Professor X und Magneto haben das Kriegsbeil begraben und entwerfen gemeinsam eine neue Zukunft für die Mutanten. An sich keine neue Idee, allerdings wird dieses Mal direkt ein souveräner Staat gegründet, der von der Welt akzeptiert werden soll. Die Mutanten haben das Zusammenleben mit den Menschen größtenteils aufgegeben und versuchen nun auf einer lebenden Insel im Meer von vorne zu beginnen. Diese Insel ist, wie könnte es anders sein, natürlich keine normale Insel, sondern die lebende Insel Krakoa. Diese hat zwar scheinbar in Vergangenheit versuchte Mutanten zu töten, aber nun möchte sie ihr Freund sein. Diese Insel hat nicht nur die Option Portale zu erschaffen, sondern gibt den Mutanten direkt Mittel für internationalen Druck und finanzielle Unabhängigkeit an die Hand. Krakoa kann nämlich Blumen wachsen lassen, die das Leben der Menschen verlängern und gegen eine Vielzahl von Beschwerden helfen.

Aber warum will Professor X plötzlich den Kuschellkurs mit den Menschen beenden? Das ist eine der Fragen dieser Reihe, und ich werde es hier auf keinen Fall verraten. Aber vielleicht hat es ja mit den verschiedenen Zeitebenen dieses Comics zu tun. Denn es geht nicht nur um die aktuellen Ereignisse im Jahr 1 der neuen Mutanten Zeitrechnung, sondern noch um die Vergangenheit und die Zukunft. Diese Ebenen scheinen zwar erst ein wenig random, die Ereignisse hängen allerdings dann doch irgendwie zusammen.

Powers of 4?

House of X & Powers of X
©Panini-Comics

Soviel sei schon mal gesagt: Ich fand die Reihe sehr stark und hatte extrem viel Freunde daran. Es passieren krasse Sachen, der Autor traut sich wirklich etwas zu ändern und für einen Superhelden-Comic werden diese Veränderung sogar relativ gut begründet und sind irgendwie nachvollziehbar.

Allerdings verstehe ich beim besten Willen nicht, warum es 4 Bände sein müssen. Man bekommt als Leser einiges geboten, aber die Bände sind schon ziemlich dünn. zwar hat man trotzdem einiges zu lesen, da immer wieder Seiten mit Texten gefüllt sind, die Teile der Welt erklären, dennoch scheint es mir nicht optimal. Die ganze Aufmachung ist echt schön und der Stil hat mir gut gefallen, aber dennoch bleibt die Frage, warum es 4 Bände sein mussten, obwohl der Umfang problemlos in 2 gepasst hätte. Das wäre vor allem deshalb ganz sinnvoll gewesen, da die Geschichte durch die ganzen Ebenen eine Menge Zeit braucht, um so richtig Fahrt auf zu nehmen. Hätte ich nicht ohnehin alle Bände hier gehabt, hätte der Erste mich auf keinen Fall dazu gebracht die weiteren zu kaufen und auch nach dem Zweiten ließ sich für mich erst ahnen, dass es richtig gut werden könnte.

Was mir nicht gefallen hat

House of X & Powers of X
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Es gab allerdings auch einige Dinge, die mir nicht gefallen haben. Zum einen wäre da der eigenartige, fast sektenhafte Vibe, den das Ganze hat. Während Emma Frost eine knallharte Politikerin ist, hat Magneto schon den Flair von einem leicht exzentrischen König. Das stört nur deshalb nicht, da Magneto ohnehin etwas sehr episches an sich hat, und ihm die Rolle ganz gut steht. Bei Professor X hingegen eskaliert es völlig. Mal ganz davon abgesehen, dass es eigenartig ist, dass er ein junger Kerl ist der laufen kann. Selbst wenn man sich daran gewöhnt hat, dass sein Helm ziemlich dusselig aussieht, bleibt trotzdem das Gefühl, dass er eher Sektenführer ist, als Staatsoberhaupt. Er scheint nicht nur die Überlegenheit der Mutanten verinnerlicht zu haben, sondern findet sich selbst auch ziemlich toll.

Womit wir auch schon bei meinem größten Kritikpunkt sind. Ich möchte an dieser Stelle nicht zuviel verraten, aber die Mutanten finden in House of X & Powers of X einen Weg wie der Tod noch unbedeutender ist, als er in Superhelden Comics ohnehin scheint. Das Ganze ist so extrem, dass ich damit rechne, dass diese “Mechanik” jegliche Spannung aus Einsätzen der X-Men nehmen könnte. Davon abgesehen ist es so unethisch und undurchdacht, dass ich hoffe es wird schnell wieder abgeschafft.

Einstieg bei den X-Men

©Panini-Comics

Die große Frage ist, wie gut sich das Ganze jetzt eigentlich zum Einstieg eignet. Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Das liegt daran, dass ich ja auch kein völliger Neuling mehr bei den X-Men bin und wenigstens einige der Figuren kenne. Wenn man fleißig die Informationstexte liest und bereit ist sich einfach darauf ein zu lassen, kann man sehr sehr viel Spaß mit House of X & Powers of X haben. Für die Mutanten ändert sich einiges und da ist es nicht ganz so schlimm, wenn man den vorherigen Status Quo nicht kannte. Eine neue Ära bricht an und bei dieser von Anfang an dabei zu sein macht schon Spaß.

Fazit

House of X & Powers of X
©Panini-Comics

Die neue Zeit der Mutanten fängt sehr stark an. Für alte Fans wird allerdings alles auf den Kopf gestellt und der Übergang ist alles andere als sanft. Ich bin sicher, dass viele der alten Fans ein großes Problem mit dem neuen Kurs haben werden. Für Neueinsteiger bietet sich endlich eine Gelegenheit, halbwegs frei von alten Geschichten in die Welt der Mutanten ein zu steigen. Es gibt keine “bösen” Mutanten mehr, jeder hat die Chance auf einen Neuanfang und kann ein Teil der Gemeinschaft sein. Ob sie das bleiben ist natürlich eine andere Frage. Falls nicht sieht der neue Leser aber wenigstens, warum jemand ein Feind ist und was er angestellt hat.

Die Mutanten sehen sich nun tatsächlich als Überlegene Art. Selbst Professor X hat so langsam wirklich die Schnauze voll von dem Verhalten der Menschen. Das ist ein spannender Ansatz, der einiges an Potential bietet. Allerdings hatte ich eher das Gefühl, nicht bei der Geburt einer freien Nation der Mutanten dabei zu sein. Viel mehr wirkt es wie die Entstehung einer überaus gefährlichen Sekte. Eine Sekte, die sich für überlegen hält, auf die Menschen herab sieht. Dennoch habe ich Hoffnungen, dass die Reihe weiterhin so gut bleibt. Zum ersten Mal seit ich Comics lese habe ich sogar die Hefte gekauft, um zu erfahren, wie es weiter geht.