Schattenspringer 3: Spektralfarben

Ich folge Daniela Schreiter inzwischen schon seit einigen Monaten (Also auf den sozialen Medien. Nicht auf der Straße oder so). Das liegt vor allem daran, dass ich ihren Zeichenstil und die kurzen Comics, die sie dort immer mal wieder postet, wahnsinnig gerne mag. Ich kann gar nicht so richtig beschreiben, was es ist, aber irgendwie wirken die Sachen die sie macht besonders liebevoll. Eine Besonderheit ist, dass es in den Comics von Daniela vor allem um Autismus geht. Da sie selbst Autistin ist, ging es in Schattenspringer 1 + 2 vor allem um ihre eigenen Erfahrungen. Im aktuellen Teil ist das aber anders.

Eckdaten:

Autorin: Daniela Schreiter
Zeichnerin: Daniela Schreiter
Preis: 20,00€
Seiten: 160
Format: Hardcover
Verlag: Panini-Comics

Story:

Anders als in den letzten beiden Schattenspringer Teilen geht es dieses Mal nicht um die Erfahrungen von Daniela, sondern um die von vielen anderen Autisten. Studium, Beziehung, Schule, Beruf uvm. All diese Dinge, die für viele von euch vielleicht schon einige sehr unangenehmen Situationen und Stolpersteinen bereithalten, bieten für viele Autisten noch deutlich mehr Frustpotential. Das liegt vorallem daran, dass ihre Probleme oft leider nicht so richtig ernst genommen, und noch weniger verstanden werden. In Schattenspringer 3 erzählen viele unterschiedliche Autisten Auschnitte aus ihrem Leben.

Meine Meinung:

Ich hatte im Vorfeld gedacht “Ich weiß ja schon einiges über Autismus, aber vielleicht kann ich da noch das eine oder andere erfahren.” Aber ich musste feststellen, dass ich im Grunde gar nichts wusste.

Wer einen Autisten kennt, kennt genau EINEN Autisten.

Dieser Satz steht bereits im Klappentext (Klappencomic) und der Band zeigt ganz gut, wie wahr er ist. Bei Autismuss gibt ein riesiges Spektrum, und man sollte nicht auf die Idee kommen hier veralgemeinern zu können.

Auch wenn es einige Punkte gibt, in denen sich die Geschichten oft ähneln, kann der selbe Lebensabschitt von zwei Personen sich ganz schön unterscheiden. Selbst wenn beispielsweise mehrere Personen über ihre Zeit in der Grundschule reden, sind die Erfahrungen doch ziemlich unterschiedlich. Nur weil eine Sache einem Autisten schwer fällt, muss man nicht denken, dass es bei den anderen auch genau daran hapert. Sowas wie Langeweile kam bei mir in diesem Band keine Sekunde auf.

Stattdessen bin ich eine Achterbahn der Gefühle gefahren. Teilweise bedient eine Geschichte dann auch gleich ein sehr großes Gefühlsspektrum. Im einen Moment ist es noch lustig, und schon einige Panels weiter kippt die Geschichte und es macht sich sowas wie Entsetzen breit, das schnell von Mitgefühl und Trauer verdrängt wird, um dann nach einigen Seiten wieder zu Erleichterung zu werden. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass sich die Eltern bzw. die Erwachsenen allgemein, so dumm und fast schon bösartig verhalten und mich das als Vater einfach nur entsetzt hat. Eine der Geschichten hat mir sogar buchstäblich Tränen in die Augen getrieben und ich musste einen ganz schönen Klos im Hals männlich weg räuspern und mir immer mal wieder unauffällig die Augen trocken reiben.

Viele der Verhaltensweisen und Probleme konnte ich sogar ganz gut nachfühlen. Natürlich ist die Intensität eine völlig andere, aber ich habe mich immer mal wieder in den einzelnen Bereichen wiedergefunden und musste an meine Erfahrungen z.B. in der Schule denken. Damit will ich nicht sagen, das ich Autist bin oder so, aber als eher unsicherer introvertierter Mensch der jetzt nicht unbedingt der Kontaktfreudigste ist, kann man sich in einige Situationen ganz gut hinein versetzen.

Die Zeichnungen sind Zucker. Sie sind süß und visualisieren die Erzählungen hervorragend. Das ganze Thema hätte sicher auch als Buch funtioniert, aber dann würde sehr viel Charme und Liebe verloren gehen. Außerdem finde ich, dass grade die Zeichnungen dabei helfen die Emotionen und Schwierigkeiten in den Situationen viel besser zu erfassen und zu verstehen und sie lockern die Stimmung oft wieder auf. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich aber: Ich fand es ein bisschen schade, dass der Comic nach wenigen Seiten plötzlich schwarz/weiß ist. Nach dem schön colorierten Anfang ist es erstmal ein kleiner “HÄ?” Moment und vor allem bei dem Titel des Comics (“Spektralfarben”) hat das etwas leicht ironisches. Wirklich stören tut es aber nicht. Die Zeichnungen funktionieren auch ohne Farbe sehr gut.

Die beiden ersten Schattenspringer Bände muss man nicht gelesen haben, um diesen Band zu verstehen. Zumindest hatte ich nicht das Gefühl mir würde grade etwas entgehen, weil ich die beiden Comics nicht gelesen habe. Es ist ja auch keine zusammenhängende Erzählung, sondern eben viele kleine Erfahrungsberichte. Man müsste nichtmal die Kapitel in der vorgegebenen Reihenfolge lesen, wenn man nicht möchte.

Leseprobe

Fazit:

Das ist einer dieser Comics, die man nicht nur Comicfans, sondern auch Menschen die eigentlich nichts mit Comics zu tun haben, ohne Bedenken empfehlen kann. Egal ob man sich tatsächlich schon viel mit dem Thema Autismus auseinander gesetzt hat, oder keine Ahnung hat, wenn Interesse an dem Thema besteht wird man mit Schattenspringer 3 definitiv gut unterhalten. Ich habe ihn direkt mal in Familie und Freundeskreis weiter empfohlen und werde mir Schattenspringer 1 + 2 auch bald noch zulegen.

Wertung:

Einsteigerfreundlichekeit: 10/10
Story: Da es sich um Erfahrungen handelt werde ich das dieses Mal nicht beurteilen.
Zeichnungen: 8/10

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